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Als die Rassepferde in den Westen aufbrachen

Augenzeugen berichten von ihren Treck-Erlebnissen vor 75 Jahren und dem schwierigen Neubeginn in der Fremde

 

Erhart Schulte

 

06.03.2020

 

 

 

Trakehner Pferde – sie sind Vertreter der ältesten Reitpferderasse Deutschlands: Ihre Geschichte beginnt 1732 mit der Gründung des Hauptgestüts Trakehnens im damaligen Kreis Stallupönen durch König Friedrich Wilhelm I. Ein Gestüt, das in Größe und Bedeutung über Jahrhunderte seinesgleichen suchte, aber auch die vielen ländlichen Güter und Höfe prägten mit ihren qualitätsvollen Pferden das Bild der Trakehner Zucht. In der Blütezeit veranschlagt man die Trakehner Population auf auch heutzutage schwer vorstellbare 25 000 Stuten und 1200 Hengste. In diesen Monaten jährt sich nun zum 75. Mal ein Ereignis, das als das einschneidendste in die jahrhundertelange, bewegte Geschichte der Trakehner Zucht eingehen sollte: Die Räumung des heimatlichen Zuchtgebietes Ostpreußen, die sich anschließenden, teils monatelangen Trecks und die Ankunft zu Tode erschöpfter Menschen und Pferde im Westen in den letzten Kriegsmonaten 1945. 

 

Ein rettender Westen war es beileibe nicht immer, der die Heimatlosen aufnahm. Sie waren längst nicht überall willkommen. Feindseligkeit, Misstrauen und Intoleranz blieben in den folgenden Jahren häufig ihre Wegbegleiter. Die gesellschaftliche Situation in den jeweiligen Besatzungszonen der Siegermächte war durch zerstörte Städte und Dörfer, Nahrungsmangel und überfüllte Aufnahmelager bedrückend gekennzeichnet. Auf den Höfen mussten die Bauern und Bewohner zusammenrücken, um den Neuankömmlingen ersten Wohnraum zu schaffen. Der Norden Deutschlands war überflutet von Pferden – Flüchtlingspferden und von der Armee zurückgelassenen Kavalleriepferden. Örtliche Aushebungen, großen Pferdemärkten ähnlich, wurden seitens der zuständigen Stellen angeordnet, wo hinsichtlich der weiteren Eignung der dort zusammengezogenen Pferde für landwirtschaftliche Arbeiten oder Gespanndienste entschieden wurde. Wie viele der Treckpferde, unersetzliche Mutterstuten darunter, daraufhin ihren letzten Weg zum Schlachter antreten mussten, darüber schweigt die Geschichte. Bewegende Berichte und Dokumente von Zeitzeugen sollen hier die Wirren dieser Zeit ins Licht setzen, aber auch die Erinnerungen an schwere Aufbaujahre wachhalten. 

 

Jahre in Holzschlorren 

 

Erich und Dora Krebs führten in Langenbrück, Kreis Angerapp, ein 500 Morgen großes Gut mit einer qualitätvollen ostpreußischen Warmblutzucht Trakehner Abstammung. Da sich der Ehemann in englischer Kriegsgefangenschaft befand, führte die Frau den monatelangen Treck in eigener Regie bis nach Holstein, die Wagen waren mit den Mutterstuten eigener Zucht bespannt: „Von Schwerin bis Hohenholz, Kreis Stormarn, hatten wir auch mehrmals Fliegerangriffe zu überstehen. Einmal suchten wir im Feld Schutz. Donna, unsere Bernhardinerhündin, lief zuerst mit uns, als sie aber sah, dass der Wagen mit den Pferden zurückblieb, lief sie zurück und legte sich dort als Wache nieder. Ein zweites Mal überraschten uns Flieger in einem Dorf, wir sprangen vom Wagen und liefen zum nächsten Haus, in dessen Tür eine Frau stand. Als wir sie erreichten, standen wir vor einer verschlossenen Tür. Am nächsten Morgen waren die Engländer im Dorf, und ich wurde vier Wochen dort festgehalten. Dann fuhr ich nach Roge, bei Neustadt, wo unsere Leute mit den anderen Pferden und dem Gepäck waren. Von diesem war nicht mehr viel übriggeblieben, die Leute hatten alles durchgekramt und das, was sie gebrauchen konnten, fortgenommen. 

 

So auch meine Schuhe. Ich stand in Reitstiefeln da. So musste ich bis zur Währungsreform auf Holzschlorren laufen, ebenso meine Kinder. Dorothea hat als vier Jahre altes Kind ihre ersten Schuhe bekommen. Die acht verbliebenen Stuten gab ich in fremde Hände. Die Bauern wollten sie bei spärlichem Futter als Autoersatz benutzen. Alwine, die wunderbare Goldfuchsstute mit herrlichem Körperbau, die auf der Flucht bei geringstem Futter und größten Anstrengungen immer noch gut aussah, ist bei einem Bauern, ein halbes Jahr vor unserer Ansetzung als Siedler, verhungert. Ich besuchte sie in ihren letzten Tagen, und sie begrüßte mich mit leisem, zärtlichem Gewieher. Wenn wir es nur gekonnt hätten, ich glaube, wir hätten sie doch noch hochgepäppelt." 

 

Hilfe eines britischen Horseman 

 

Das Gestüt Weedern der Familie von Zitzewitz zählte mit 70 bis 80 Mutterstuten nicht nur zu den größten Privatgestüten Ostpreußens und Deutschlands, sondern galt auch hinsichtlich seiner Ausgeglichenheit auf hohem Qualitätsniveau zu den besten. Im Winter 1944/45 ging Anna von Zitzewitz auf den Treck – erstes Ziel war Muttrin im Kreis Stolp, ein Familiensitz ihres verstorbenen Ehemanns Eberhard von Zitzewitz: „Doch die russische Heeresmacht rückte heran. Weder Beamte noch Arbeiter wollten erneut trecken und bei Wind und Schnee auf der Landstraße liegen. So ließ ich alles in Pommern und zog nur mit den Meinen und einer Familie mit zwei Treckwagen und einem Kutschwagen über Vorpommern nach Mecklenburg. Vom Kreis Rummelsburg an ritt meine kleine Tochter einen Dreijährigen und hatte drei Stuten an der Hand, wovon eine ihr beim Einmarsch der Amerikaner an der Hand erschossen wurde. 

 

Der Weg durch Mecklenburg war hart. Nachts kampierten wir in Wäldern, die kleinen Fohlen waren morgens weiß bereift, am Tage machten wir Bekanntschaft mit Tieffliegern. Sehr bald internierten uns die Amerikaner auf einem kleinen Bauernhof nahe der Elbe. Das Gut, das uns die mecklenburgische Stutbuchgesellschaft zugewiesen hatte, nahm uns nicht auf. Die traurigen Wochen erhielten nur durch die Einladung eines englischen Pferdemannes, nach Redefin zu kommen, einen Lichtblick. Hier kamen wir zur Ruhe: Kein Hunger, keine Läuse, genügend Futter und Stroh, ein sauberer Stall und hippologisches Interesse. Als auch hier die Besetzung durch russische Truppen drohte, half mir dieser prachtvolle, englische Horseman, meine verborgten und gestohlenen Stuten einzusammeln, verschaffte mir Lastwagen, Futter, Begleitpersonal und eine Unterkunft in Schwarzenbek. Zwölf Stunden vor Sperrung der Grenze waren wir in Holstein, konnten dort 14 Tage ausruhen, ohne eine definitive Bleibe finden zu können." 

 

Der bis dahin gerettete wertvolle Rest der Weederner Zucht wurde von einem neuen, vernichtenden Schlag getroffen. Im Herbst 1945 waren die Pferde auf einer Weide an der Weser untergebracht. Futtermangel, Räude und Überschwemmungen führten zum Verlust fast sämtlicher dorthin gegebener Stuten. Anna von Zitzewitz war durch eine schwere Erkrankung verhindert, sich ihrer Pferde anzunehmen, und erhielt auch keine Nachricht über die Katastrophe. Eine einzige Stute überlebte. 1946 bezog die Familie eine 150 Morgen große Siedlung in Oberhode, Kreis Fallingbostel, um Ende der 50er Jahre nach Katarinental in Ostholstein umzusiedeln. 

 

Bittere Zeitenwende 

 

Im Westen angekommen, begann für alle Flüchtlinge der Kampf um eine neue Existenz. Einige fanden Arbeit, die sowohl sie als auch ihre Pferde ernähren konnte. Rosemarie von Maercker war mit dem Treck ihrer Familie nach Holstein gelangt: „Die meisten Trecks fuhren, von den Treckleitstellen gelenkt, ohne festes Ziel nach Westen, bis sie schließlich irgendwo zum Bleiben eingewiesen wurden. Unser Treck hatte ein Endziel, den Gutshof von Freunden meines Lehrherrn in der Holsteinischen Schweiz. Als wir ankamen, blühten die Himmelsschlüssel, um uns her eine herrliche Landschaft. Ich hatte kein Auge dafür, mir war jämmerlich zumute. Dieser Tag war gleichzeitig der Abschluss eines Zeitabschnitts und der Beginn eines neuen. Das Fahren hatte uns das Bewusstsein eines Restes persönlicher Freiheit gegeben und entsprach dem Wunsch eines Landmenschen, auf Eigentum zu sitzen, und wenn es nur der Wagen mit dem Pferd davor war. 

 

Die Zukunft sah grau aus. Arbeitssuche in einem mit Menschen und Pferden überfüllten Land. Heimweh und Sorgen. Erst einmal musste ich meine und unserer Pferde Daseinsberechtigung nachweisen. Wir fuhren, was es zu fahren gab, Bretter für die ersten Möbel der Flüchtlingsfamilien, Gemüse, Kartoffeln. Mein Vater hatte die anderen Pferde des Trecks zur Arbeit ausgeliehen. Viele von ihnen waren vorher noch von der Wehrmacht eingezogen worden, darunter wertvolle Zuchtstuten. Viele der Leihpferde hatten ein schweres Schicksal. Diejenigen, die wie die eigenen gehalten wurden, erholten sich schnell und überwanden rasch die Anstrengungen des Trecks. Andere, die in der Arbeit ausgenutzt wurden, erlangten nie wieder ihre alten Kräfte zurück."

 

 

 

Quelle: Preußische Allgemeine

 


15. April 2019

 

Liebe Freunde und Besucher unserer Homepage!

Das neue Jahr 2019 hat gleich mit 2 frohen Nachrichten aus dem Großen Familienkries begonnen:

Wir begrüßen ganz herzlich Hannes Christian, der Anfang April 1 Jahr alt geworden ist (1.8.3.5.2.1.1) und gratulieren den glücklichen Eltern.
Lukas informiert uns über die Hochzeit seines Bruders Jonas und auch darüber, daß er im August letzten Jahres Onkel von Emilia (4.2.13.3.2.1.1.1) geworden ist.
Nachträglich herzlichen Glückwunsch zur Hochzeit und alle guten Wünsche zum jungen Familienglück!

Anfang April erreichte uns eine Wiehler-Anfrage mit der Bitte um Eingliederung in unsere Generationen-Übersicht und Klärung des Verwandschaftsgrades. Die Zuordnung in unsere Familie konnte leider nicht geschehen, da es sich bei der anfragenden Familie um einen ganz anderen Wiehler-Familienzweig handelt: Es sind Nachkommen von ISBRAND Wiehler (Wiehler II), nähere Details können er Chronik entnommen werden (--> https://wiehler.jimdo.com/chronik-1/ellerwald-elbing-iii/). Jüngere Vorfahren waren Besitzer bzw. Geschäftführer einer Kolonialwarenhandlung in Königsberg, die nach dem 2. Weltkrieg nach Hamburg umgezogen wurde und erst 1993 im Handelsregister geschlossen wurde.

Eine kleine Recherche hat ergeben, daß sich vor dem Krieg offensichtlich Familienmitglieder beider Wiehlerfamilien (aus Königsberg und aus dem Elbinger Werder) kannten, diese Verbindungen jedoch zwischenzeitlich verloren gegangen sind.

Zur Weitergabe an die Anfragenden würden wir uns freuen, wenn in unserem Familienkreise zu dieser Geschichte der Firma in Königsberg Erinnerungen, Geschichten und vielleicht Fotos mit Namen existieren und weitergegeben werden können. Wer etwas findet, kann uns dies gerne zukommen lassen.

In diesem Zusammenhang bitten auch noch einmal darum, uns Fotos (beschriftet mit Namen und Wiehlernummer, wenn bekannt) zusenden. Wir haben uns das Ziel gesetzt, die vielen Namen in der Chronik mit Bildern zu ergänzen, da so das Andenken an die Vorfahren und die Überlieferung der Geschichte (n) für unser Kinder viel leichter fällt.

Bitte sendet die Bilder und Anfragen an:    wiehlerchronik@gmx.de

Wir wünschen allen Frohe Ostern!





Wir erinnern uns an Catharina Wiehler, geb. Allert (1801-1886)
  
Am 1. November 2016 besuchte unser Verwandte, Henryk Milosz (4  2  11  1  2) aus Elbing/Elblong  das Grab unserer Ur-, Ur-, Urgroßmutter in Preußisch Rosengart/Rozgart, um dort zu Allerheiligen ein Blumengebinde niederzulegen (siehe Foto).  Der ehemals mennonitische Friedhof von  Rozgart liegt ca. 3 km südöstlich von Altfelde/Stare Pole. Die nach dem Krieg zerstörte Grabstele wurde 2015 auf Initiative  der Familie wieder aufgerichtet. Polenreisende sollten einen Besuch des Friedhofs - gleich neben der nunmehr katholischen Kirche - nicht versäumen. 
Wir danken Henryk Milosz, dass er die Pflege des Grabes übernommen hat.
  
Frank Wiehler, (7 1 1 4 ) Freiburg

Wiehlerbilder - hinter jedem Namen ein Gesicht

 

Maren und Jörn Hillebrecht aus Erlangen haben eine vollständige Bildlegende zum großen Gesamtbild erstellt, bestehend aus einem Text-Index mit Bildnummer, Wiehlercode und Namen. Das ist eine beachtliche Leistung, zu der wir vom alten Team sie recht herzlich beglückwünschen!!

Man kommt immer wieder ins Stauen, ob der der vielen Menschen, die auf einem Bild vereint sind und hat das gute Gefühl, dass hier etwas Schönes für die Erinnerung aufbewahrt wird.

 

Das Bild findet ihr unter dem Navigationspunkt "Bilder".

Wiehler Picture - A Face behind every name

 

 

Maren and Jörg Hillebrecht from Erlangen created a full index for our group picture to look up the name behind the face.

This is an outstanding achievement for what we thank them very much! 

It is always impressing to see how many people are together in one picuture.

 

 

You can find the picture in the navigation "Bilder"



Grab der Vorfahren gefunden

 

Es war reiner Zufall: Der „Mennonitische Arbeitskreis Polen“ reist 2013 erneut nach Polen. Nach einer Andacht in der ehemaligen Mennonitenkirche in Preußisch Rosengart/Rozgart schlendern wir halb suchend halb träumend über den seit 1945 völlig zerstörten ehemaligen mennonitischen  Friedhof neben der Kirche. Sigrid, eine Mitreisende, macht mich auf ihren Fund aufmerksam. Unter Laub, Strauch und viel Moos sind Teile einer zertrümmerten Grabstele mit Inschrift zu erkennen: "Catharina Wiehler, geb. Allert, geb. 1801…."  Weitere Teile der tonnenschweren Stele liegen ohne sichtbare Inschrift herum. Ich bin elektrisiert. Ist das etwa...? Zu Hause angekommen bestätigt sich meine Vermutung. Ein Blick in die Familienchronik sagt mir, es handelt sich um den Grabstein meiner Ur-Ur-Großmutter Catharina 1801-1886, Ehefrau des Nicolaus Wiehler, Landwirt in Pr. Rosengart und Prediger der Mennonitengemeinde Markushof/Thiensdorf. Sie haben heute rund 1200 Nachfahren in 8 Generationen, die  auf 4 Kontinenten leben.

 

Was tun? Kann man die Stelle wieder aufrichten?

 

Ja, man kann! Die richtige, hilfreiche und dazu noch kompetente Person in Polen zu finden war nicht schwer. Krzysztof machte sich sachkundig: Genehmigung des Bürgermeisters, Genehmigung des Grundbuchamts, Genehmigung des Denkmalschutzamts in Elbing, Suche nach dem fachkundigen Steinmetz....

Es dauerte schließlich 2 Jahre bis alles zusammen kam, auch das notwendige Geld. Am 30. Juli 2015 war es schließlich so weit. 32 Nachfahren und Verwandte von Catharina aus Deutschland, Canada, Polen und USA versammelten sich zu einer Feierstunde um die wieder errichtete Grabstele und legten einen Kranz nieder.

 

Frank Wiehler, Freiburg, (7 1 1 4) im Oktober 2015

 

http://www.preussisch-rosengart.de/html/restaurierung_ii.html